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Ministerium der Justiz
 
 

Anhang II 15

Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II

Vom 7. Juni 1972[1]

[1] Bekanntmachung vom 1. Juni 1976 (GMBl. S. 529); jetzt in der Fassung vom 16. Juni 2000 (nicht veröffentlicht).
Ausgabe im Zusammenhang

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis

Anlage 1 Fachgymnasien/berufsbezogene Bildungsgänge, die zur allgemeinen Hochschulreife führen: Verzeichnis der gegenseitig anerkannten Fachrichtungen, Schwerpunkte und Prüfungsfächer (Normalkatalog)
Anlage 2 Fachgymnasien/berufsbezogene Bildungsgänge, die zur allgemeinen Hochschulreife führen: Verzeichnis der in einzelnen Ländern bestehenden und gegenseitig anerkannten speziellen Fachrichtungen, Schwerpunkte und Prüfungsfächer (Sonderliste)
Anlage 3 Berufsbezogene Bildungsgänge, die (doppeltqualifizierend) zur allgemeinen Hochschulreife und zu einem beruflichen Abschluss nach Landesrecht führen (Normalkatalog)
Anlage 4 Berufsbezogene Bildungsgänge, die (doppeltqualifizierend) zur allgemeinen Hochschulreife und zu einem beruflichen Abschluss nach Landesrecht führen (Sonderliste)





1.

Vorbemerkung

Die Kultusministerkonferenz hat in den Jahren 1993 bis 1995 in mehreren Grundsatztagungen, insbesondere den sog. Loccumer Gesprächen,[2] einen intensiven Erfahrungsaustausch zur gymnasialen Oberstufe geführt, an dem Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft, aus Verbänden der Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft sowie aus den Schulverwaltungen beteiligt waren.

Angesichts veränderter politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa und veränderter Aufgaben für Schule, Hochschule und Beruf waren neue Überlegungen zum gemeinsamen Verständnis der Ziele und Inhalte der gymnasialen Oberstufe erforderlich. Wesentliche Anregungen gab der Bericht einer von der Kultusministerkonferenz eingesetzten Expertenkommission,[3] auf dessen Grundlage „Richtungsentscheidungen zur Weiterentwicklung der Prinzipien der gymnasialen Oberstufe und des Abiturs" [4] getroffen wurden.

Im Ergebnis ihrer Beratungen ist die Kultusministerkonferenz zu derAuffassunggelangt, dass sich die gymnasiale Oberstufe in ihren Zielsetzungen und in den sie tragenden Prinzipien bewährt hat. Um die Qualität der allgemeinen Hochschulreife als schulische Abschlussqualifikation zu sichern und die allgemeine Studierfähigkeit sowie den Übergang in eine berufliche Ausbildung zu gewährleisten, bedarf es allerdings einer Fortentwicklung ihrer curricularen und organisatorischen Strukturen.

Es besteht Einvernehmen darüber, dass an der allgemeinen Hochschulreife als Abschlussqualifikation und Zugangsberechtigung für alle Studiengänge festgehalten wird.

Die Grundstruktur der gymnasialen Oberstufe wird beibehalten. Dazu gehören die Gliederung in eine Einführungs- und eine Qualifikationsphase, die Organisation des Unterrichts in Grund- und Leistungskursen, die Zuordnung der Fächer zu Aufgabenfeldern, die Ausgestaltung in einen Pflicht- und einen Wahlbereich mit der Möglichkeit einer individuellen Schwerpunktbildung, das Credit-System zur Ermittlung der Gesamtqualifikation.

Die Kultusministerkonferenz hat sich in diesem Zusammenhang auch über die Dauer der Schulzeit verständigt: Die Dauer der Schulzeit bis zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife beträgt nach dem Abkommen zwischen den Ländern der Bundesrepublik zur Vereinheitlichung auf dem Gebiet des Schulwesens vom 28. Oktober 1964 i.d.F. vom 14. Oktober 1971 („Hamburger Abkommen") 13 Jahre. Unter folgenden Voraussetzungen wird das Abitur nach einer Gesamt-Schulzeit von 12 Jahren anerkannt: Zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife ist ein Gesamtstundenvolumen von mindestens 265 Wochenstunden für die Sekundarstufe I und für die gymnasiale Oberstufe nachzuweisen. Darauf können bis zu fünf Stunden Wahlunterricht angerechnet werden. Dabei ist den einschlägigen Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz in quantitativer und qualitativer Hinsicht zu entsprechen.

2.

Zielsetzung

2.1

Die gymnasiale Oberstufe baut auf der Erziehungs- und Bildungsarbeit der Sekundarstufe I auf, vertieft und erweitert sie. Ziel des Lernens und Arbeitens ist die allgemeine Hochschulreife, die zum Studium an einer Hochschule berechtigt, aber auch den Weg in eine berufliche Ausbildung ermöglicht.

2.2

Die in der gymnasialen Oberstufe zu erwerbenden Kenntnisse, Methoden, Lernstrategien und Einstellungen werden über eine fachlich fundierte, vertiefte allgemeine und wissenschaftspropädeutische Bildung und eine an den Werten des Grundgesetzes und der Länderverfassungen orientierte Erziehung vermittelt, die zur Persönlichkeitsentwicklung und -stärkung, zur Gestaltung des eigenen Lebens in sozialer Verantwortung sowie zur Mitwirkung in der demokratischen Gesellschaft befähigen.

2.3

Zugleich ermöglicht der für alle verbindliche Rahmen einer vertieften allgemeinen Bildung eine den individuellen Neigungen und Befähigungen der Schülerinnen und Schüler entsprechende individuelle Schwerpunktsetzung.

2.4

Der Unterricht in der gymnasialen Oberstufe ist fachbezogen, fachübergreifend und fächerverbindend angelegt. Durch die Bindung an ein Spektrum von Fächern und Fächergruppen werden das für die allgemeine Hochschulreife erforderliche strukturierte Wissen und die entsprechenden Qualifikationen aufgebaut. Von besonderer Bedeutung sind dabei vertiefte Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in Deutsch, Fremdsprache und Mathematik.

Darüber hinaus trägt der Unterricht in den musisch-künstlerischen, den gesellschaftswissenschaftlichen, den naturwissenschaftlich-technischen Fächern, in Sport und - je nach Bestimmungen der Länder - in Religionslehre bzw. einem Ersatzfach wesentlich zur Verwirklichung der Ziele der gymnasialen Oberstufe bei.

2.5

Fachübergreifendes und fächerverbindendes Arbeiten stützt den für die allgemeine Hochschulreife erforderlichen Aufbau strukturierten Wissens. Es sichert den Blick für Zusammenhänge und fördert die hierfür notwendigen Arbeitsformen. Fachübergreifende und fächerverbindende Lernformen ergänzen das fachliche Lernen und sind unverzichtbarer Bestandteil des Unterrichts in der gymnasialen Oberstufe.

2.6

Der Unterricht in der gymnasialen Oberstufe strebt in allen Lernbereichenzugleich mit dem Erwerb eines inhaltlich spezifischen, strukturierten und regelorientierten Wissens die Fähigkeit an, selbstständig zu lernen, zu arbeiten und über das eigene Lernen, Denken, Urteilen und Handeln zu reflektieren. Der Unterricht soll geistige Beweglichkeit, Phantasie und Kreativität ebenso fördern wie er Konzentrationsfähigkeit, Genauigkeit und Ausdauer als allgemein wichtige Verhaltensweisen des Lernens und Arbeitens stärken soll.

2.7

Für die Ausprägung der Studierfähigkeit sind 3 Kompetenzbereiche von herausgehobener Bedeutung:

-

sprachliche Ausdrucksfähigkeit, insbesondere die schriftliche Darlegung eines konzisen Gedankengangs.

Angestrebt wird die Fähigkeit, sich strukturiert, zielgerichtet und sprachlich korrekt schriftlich zu artikulieren und die erforderlichen Schreibformen und -techniken zu beherrschen. Hierzu gehören auch der angemessene Umgang mit Texten, insbesondere Textverständnis, Texterschließung, Textinterpretation sowie zeitökonomische Bearbeitung, das schriftliche und mündliche Darstellen komplexer Zusammenhänge und die Fähigkeit zur sprachlichen Reflexion.

-

verständiges Lesen komplexer fremdsprachlicher Sachtexte.

Angestrebt wird die Fähigkeit, fremdsprachliche Texte zu erschließen, zu verstehen, sich über fachliche Inhalte in der Fremdsprache korrekt zu äußern.

-

sicherer Umgang mit mathematischen Symbolen und Modellen.

Angestrebt wird die Fähigkeit, Gegenstandsbereiche und Theoriebildungen, die einer Mathematisierung zugänglich sind und in denen Problemlösungen einer Mathematisierung bedürfen, mit Hilfe geeigneter Modelle aus unterschiedlichen mathematischen Gebieten zu erschließen und darzustellen und die Probleme mit entsprechenden Verfahren und logischen Ableitungen zu lösen.

Der Erwerb dieser Kompetenzen ist nur dann hinreichend sichergestellt, wenn grundsätzlich alle dafür geeigneten Fächer diese Aufgabe wahrnehmen. Die Länder stellen dies bei der Lehrplanentwicklung sicher.

2.8

Verbindendes Merkmal des Unterrichts in der gymnasialen Oberstufe ist das wissenschaftspropädeutische Arbeiten, das exemplarisch in wissenschaftliche Fragestellungen, Kategorien und Methoden einführt.

Dabei geht es um die Beherrschung eines fachlichen Grundlagenwissens als Voraussetzung für das Erschließen von Zusammenhängen. zwischen Wissensbereichen, von Arbeitsweisen zur systematischen Beschaffung, Strukturierung und Nutzung von Informationen und Materialien, um Lernstrategien, die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie Team- und Kommunikationsfähigkeit unterstützen.

2.9

Die Schülerinnen und Schüler sollen in der gymnasialen Oberstufe - auch durch Studienfahrten und Aufenthalte in einer Schule im Ausland - Verständnis für Menschen, Kulturen und Gesellschaften anderer Länder gewinnen.

2.10

Unterrichts- und Erziehungsarbeit in der gymnasialen Oberstufe greifen auch Aspekte der Berufs- und Arbeitswelt auf und bereiten auf die Berufs- und Arbeitswelt vor. Im Hinblick auf die Berufs- und Studierfähigkeit kommt dem Erwerb folgender Fähigkeiten gleichermaßen besondere Bedeutung zu:

-

Verständnis sozialer, ökonomischer, politischer und technischer Zusammenhänge;

-

Denken in übergreifenden, komplexen Strukturen;

-

Fähigkeit, Wissen in unterschiedlichen Kontexten anzuwenden;

-

Fähigkeit zur Selbststeuerung, des Lernens und der Informationsbeschaffung;

-

Fähigkeit zur realistischen Einschätzung der eigenen Kompetenz und Möglichkeiten;

-

Kommunikations- und Teamfähigkeit,

-

Entscheidungsfähigkeit.

In der gymnasialen Oberstufe muss darüber hinaus eine umfassende Information über Berufsfelder, über Strukturen und Anforderungen des Arbeitsmarktes erfolgen.

Ein Beratungssystem soll folgende Elemente enthalten:

-

auf schulischer Seite: Angebote von Berufswahlunterricht, Betriebspraktika, Betriebserkundungen und -besichtigungen, studienkundliche Veranstaltungen, Fachpraxiskurse;

-

auf der Seite der Arbeitsverwaltung: Schulbesprechungen, Gruppengespräche, berufliche Beratung, Angebote in den Berufsinformationszentren;

-

auf der Seite der Hochschulen: studienkundliche Nachmittage, Studieninformationstage.

2.11

Die gymnasiale Oberstufe ermöglicht die Kooperation von allgemeinen und berufsbezogenen Bildungsgängen, und sie ist offen für die Aufnahme weiterer berufsbezogener Fachrichtungen.

3.

Gliederung des Unterrichtsangebots

3.1

Der Unterricht in der Oberstufe wird nach Begabung und Leistung differenziert, die Oberstufe wird nicht nach Gymnasialtypen gegliedert.

3.2

Die Schülerinnen und Schüler werden in der Oberstufe im Pflichtbereich und im Wahlbereich unterrichtet, und zwar in der Regel 30 Wochenstunden.

Im Pflichtbereich erwerben oder erweitern die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den vorgeschriebenen Aufgabenfeldern.

Der Wahlbereich soll es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, ihren Interessen und Neigungen ohne Bindung an festgelegte Aufgabenfelder nachzugehen oder Schwerpunkte in Verbindung mit dem Pflichtbereich zu bilden.

3.3

Innerhalb beider Bereiche wird nach Grund- und Leistungskursen unterschieden, die Fächern zugeordnet werden. Grundkurse werden mindestens zweistündig, in Deutsch, in Fremdsprachen und in Mathematik mindestens dreistündig unterrichtet. Leistungskurse werden mindestens fünfstündig unterrichtet, sofern 3 oder mehr Leistungskursfächer zu belegen sind, werden Leistungskurse mindestens vierstündig unterrichtet.

4.

Pflichtbereich

4.1

Der Pflichtbereich umfasst:

-

das sprachlich-literarisch-künstlerische Aufgabenfeld,

-

das gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld,

-

das mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Aufgabenfeld,

-

Religionslehre,

-

Sport.

Für den Unterricht in Religionslehre gelten jeweils die Bestimmungen der Länder; dies gilt auch für die Festlegung von Wochenstundenzahlen.

In den Aufgabenfeldern, in Religionslehre und im Sport sollen die bereits erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vertieft und erweitert werden. Grundlegende Einsichten in fachspezifische Denkweisen und Methoden sollen durch geeignete Themenwahl und Unterrichtsformen exemplarisch für jedes Aufgabenfeld vermittelt werden.

Philosophische Fragen, die diese Aufgabenfelder durchziehen, sollen berücksichtigt werden.

4.2

Im sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeld dient das Fach Deutsch vor allem dem Studium der Muttersprache und umfasst Sprache und Literatur. Es vermittelt unter anderem Einsichten in sprachliche Strukturen und fördert die Fähigkeit zu sprachlicher Differenzierung unter Berücksichtigung der verschiedenen Ebenen sprachlicher Kommunikation (z.B. Umgangssprache, wissenschaftliche Sprache). Diese Einsichten werden erweitert durch die Kenntnisse, die durch angemessene Beherrschung von mindestens einer Fremdsprache gewonnen werden. Kurse in Literatur, Musik und Bildender Kunst sollen zum Verständnis künstlerischer Mittel und Formen, menschlicher Möglichkeiten und soziologischer Zusammenhänge führen.

4.3

Im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld werden gesellschaftliche Sachverhalte in struktureller und historischer Sicht erkennbar gemacht. Durch geeignete, auch fachübergreifende und fächerverbindende Themenwahl sollen Einsichten in historische, politische, soziale, geographische, wirtschaftliche und rechtliche Sachverhalte sowie insbesondere in den gesellschaftlichen Wandel seit dem industriellen Zeitalter und in die gegenwärtigen internationalen Beziehungen und deren Voraussetzungen vermittelt werden.

4.4

Im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Aufgabenfeld sollen Verständnis für den Vorgang der Abstraktion, die Fähigkeit zu logischem Schließen, Sicherheit in einfachen Kalkülen, Einsicht in die Mathematisierung von Sachverhalten, in die Besonderheiten naturwissenschaftlicher Methoden, in die Entwicklung von Modellvorstellungen und deren Anwendung auf die belebte und unbelebte Natur und in die Funktion naturwissenschaftlicher Theorien vermittelt werden.

4.5

Der Unterricht in Religionslehre stellt die Grundlage und Lehre der jeweiligen Religionsgemeinschaft dar; er soll Einsichten in Sinn- und Wertfragen des Lebens vermitteln, die Auseinandersetzung mit Ideologien, Weltanschauungen und Religionen ermöglichen und zu verantwortlichem Handeln in der Gesellschaft motivieren.

Ob das Fach Religionslehre einem Aufgabenfeld zugeordnet wird, bleibt den Ländern überlassen.

Ersatzunterricht für Religionslehre ist in der neugestalteten gymnasialen Oberstufe möglich. Er steht unter dem Vorbehalt der Landesgesetzgebung.

4.6

In Sport werden Kurse in enger Praxis-Theorie-Verknüpfung - auch im Sinne fachübergreifenden und fächerverbindenden Lernens - angeboten. Sportkurse können entweder Grund- oder unter bestimmten Bedingungen Leistungskurse sein (vgl. Ziffer 6.3).

5.

Wahlbereich

Der Wahlbereich dient in Verbindung mit dem Pflichtbereich der Schwerpunktbildung durch die Schülerinnen und Schüler. Die Fächer des Wahlbereichs stellen im Regelfall Teilgebiete aus den drei Aufgabenfeldern dar. In ihnen sollen die Schülerinnen und Schüler in den Sachbereich, die Methode und die Fachsprache der jeweiligen Wissenschaft eingeführt werden. Der Wahlbereich bietet auch Raum für Anwendung (z.B. Kunst- oder Musikausübung, Anwendung der Mathematik in der Datenverarbeitung) und für berufsbezogene Kurse. Im Grundsatz können allen Wissenschaften Unterrichtsgegenstände entnommen werden. Dadurch ist eine Erweiterung des Fächerangebots der Schule möglich.

6.

Fächerangebot

Grund- und Leistungskurse sind Fächern zuzuordnen.

6.1

Im Pflicht- und Wahlbereich bieten sich vor allem folgende Fächer für die Zuordnung der Grund- und Leistungskurse an:

Deutsch, Fremdsprachen, Bildende Kunst, Musik, Geschichte, Geographie, Philosophie, Religionslehre, Religionskunde, Sozialkunde/Politik, Wirtschaft, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Technik, Informatik.

6.2

Besonders im Wahlbereich können mit Genehmigung der zuständigen Schulaufsichtsbehörde neue Fächer in das Fächerangebot aufgenommen werden.

Im Wahlbereich können auch Teilgebiete von Fächern oder übergreifende Fächer oder Gebiete von den zuständigen Schulaufsichtsbehörden als Kursgegenstände zugelassen werden.

6.3

Sport wird in der Regel in Grundkursen angeboten. Die zuständige Schulaufsichtsbehörde kann Sport auch als Leistungskurs des Wahlbereichs an ausgewählten und entsprechend ausgestatteten Schulen zulassen. Solche Leistungskurse müssen sportwissenschaftliche Teile enthalten.

7.

Organisationsform der gymnasialen Oberstufe

7.1

Struktur der gymnasialen Oberstufe

7.1.1

Die Oberstufe gliedert sich in eine einjährige Einführungs- und eine zweijährige Qualifikationsphase. Je nach Dauer der Schulzeit bis zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife kann die Einführungsphase auch die Jahrgangsstufe 10 umfassen. Der Unterricht in der Einführungsphase ist sowohl in der Organisationsform des Klassenverbandes als auch kursgegliedert möglich. Die Qualifikationsphase findet im Kurssystem statt.

7.1.2

Der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe kommt beim Übergang vom obligatorischen Klassenunterricht zu den eigenverantwortlichen Wahl- und Differenzierungsentscheidungen in der Qualifikationsphase eine Brückenfunktion zu. Um die erforderlichen personalen, sozialen und fachlichen Kompetenzen gezielt zu fördern, sollen spezifische Lernarrangements verstärkt angeboten werden. Dazu gehören z.B. Intensivkurse in den Fächern Deutsch, Fremdsprache und Mathematik zum Ausgleich von individuellen Lerndefiziten, Auslandsaufenthalte und Betriebspraktika.

7.1.3

In der Qualifikationsphase werden die Jahrgangsklassen durch ein System von Grund- und Leistungskursen abgelöst, das auch jahrgangsübergreifend sein kann. Die Kurse sind themenbestimmt, doch bleiben sie Fächern und den für sie geltenden Lehrplanrichtlinien zugeordnet. Sie dauern jeweils ein halbes Jahr.

Die gymnasiale Oberstufe hat sowohl erzieherische Aufgaben als auch fachliche und fachübergreifende Ziele zu erfüllen. Der Unterricht insgesamt folgt den der Schule angemessenen Grundsätzen der didaktischen Reduktion und Exemplarität. Dabei tragen Grund- und Leistungskurse in jeweils spezifischer Weise, aber bezogen auf die gemeinsamen Bildungsziele zur Vermittlung der allgemeinen Studierfähigkeit bei. Der eigenständige Auftrag beider Kursarten muss in den Lehrplänen und bei der Darstellung der Kurse und Kurssequenzen in den Lehrplänen deutlich sichtbar sein.

Grundkurse repräsentieren das Lernniveau der gymnasialen Oberstufe unter dem Aspekt einer grundlegenden wissenschaftspropädeutischen Ausbildung.

Sie sollen

-

in grundlegende Sachverhalte, Problemkomplexe und Strukturen eines Faches einführen,

-

wesentliche Arbeitsmethoden des Faches vermitteln, bewusst und erfahrbar machen,

-

Zusammenhänge im Fach und über dessen Grenzen hinaus in exemplarischer Form erkennbar werden lassen.

Leistungskurse repräsentieren das Lernniveau der gymnasialen Oberstufe unter dem Aspekt einer wissenschaftspropädeutischen Ausbildung, die exemplarisch vertieft wird.

Sie sind gerichtet auf eine

-

systematische Befassung mit wesentlichen, die Komplexität und den Aspektreichtum des Faches verdeutlichenden Inhalten, Theorien und Modellen,

-

vertiefte Beherrschung der fachlichen Arbeitsmittel und -methoden, ihre selbstständige Anwendung, Übertragung und theoretische Reflexion,

-

reflektierte Standortbestimmung des Faches im Rahmen einer breit angelegten Allgemeinbildung und im fachübergreifenden Zusammenhang.

7.1.4

Das Kurssystem verlangt individuelle Beratung. Die Aufgaben der bisherigen Klassenlehrerin oder des bisherigen Klassenlehrers werden von Beratungslehrerinnen oder Beratungslehrern (Tutorinnen oder Tutoren) wahrgenommen.

7.1.5

Die Länder bestimmen den Zeitpunkt, zu dem sich die Schülerinnen und Schüler auf ihre Fächerkombination in der Qualifikationsphase festlegen.

7.1.6

Aufsteigende Kurse sind zur Sicherung der gemeinsamen Grundbildung notwendig; die Anwendung des Prinzips der Sequenzialität (im Sinne einer sowohl temporären als auch curricularen Folge) soll bei Abiturfächern und bei der Erfüllung der Mindestauflagen gewährleistet sein.

7.2

Zugang zur gymnasialen Oberstufe

7.2.1

Zugangsvoraussetzung ist die Berechtigung zum Eintritt in die gymnasiale Oberstufe.

7.2.2

Die Länder stellen sicher, dass nur solche Schülerinnen und Schüler in die Qualifikationsphase aufgenommen werden, die auf Grund ihrer Leistungen einen erfolgreichen Durchgang durch die Oberstufe erwarten lassen. Unterschiedliche Voraussetzungen bei den Schülerinnen und Schülern müssen spätestens mit Beginn der Qualifikationsphase angeglichen sein. Die Länder stellen durch entsprechende Fördermaßnahmen sicher, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

7.2.3

In berufsbezogenen Bildungsgängen, die zur allgemeinen Hochschulreife führen, können Bewerberinnen und Bewerber mit Fachhochschulreife unter Beibehaltung der Fachrichtung in die Qualifikationsphase aufgenommen werden. Zur Erfüllung der Auflagen der Ziffer 7.4.10 müssen sie bei Eintritt in die Qualifikationsphase Kenntnisse in einer zweiten Fremdsprache mindestens im Umfang des Unterrichts der Einführungsphase nachweisen und anschließend in dieser Fremdsprache die Bedingungen gemäß Ziffer 7.4.10.2 erfüllen.

Gleiches gilt für Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Schulabschluss und mindestens zweijähriger erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung.

7.3

Verweildauer in der gymnasialen Oberstufe

7.3.1

Die Verweildauer beträgt mindestens 2, höchstens 4 Jahre; sie kann um den für die Wiederholung einer nicht bestandenen Abiturprüfung erforderlichen Mindestzeitraum von einem halben oder einem Jahr überschritten werden.

7.3.2

Wer sich nach dreieinhalbjährigem Besuch der gymnasialen Oberstufe nicht zur Prüfung meldet oder die Zulassungsvoraussetzungen innerhalb dieser Zeit nicht erfüllt hat, muss die Schule verlassen. Die Schulaufsichtsbehörde kann in besonders begründeten Fällen Ausnahmen zulassen.

7.3.3

Ein verkürzter Durchgang durch die gymnasiale Oberstufe ist nach Maßgabe der Lernentwicklung und der Leistungsfähigkeit der Schülerin oder des Schülers durch ein vorzeitiges Eintreten in die zweite Hälfte der Einführungsphase oder in die Qualifikationsphase möglich.

7.3.4

Ein verkürzter Durchgang durch die gymnasiale Oberstufe kommt auch für Schülerinnen und Schüler in Betracht, die in der Oberstufe an einem mindestens halbjährigen, höchstens einjährigen Auslandsaufenthalt im Rahmen eines Schüleraustauschs teilgenommen haben. In diesem Fall können gemäß der Vereinbarung über die "Eingliederung von Schülern, die nach einem Auslandsaufenthalt im Rahmen eines Schüleraustauschs in die neu gestaltete gymnasiale Oberstufe zurückkehren" (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 13.09.1974) ausnahmsweise Leistungen aus der Einführungsphase für die Erfüllung von Belegverpflichtungen, die für die Qualifikationsphase gelten, in dieGesamtqualifikation einbezogen werden.

7.4

Ausgestaltung des Pflichtbereichs

7.4.1

Im Pflichtbereich belegen die Schülerinnen und Schüler der Qualifikationsphase je Schulhalbjahr etwa 20 Wochenstunden in Grund- und Leistungskursen, und zwar

-

im sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeld insgesamt mindestens 28 [6] Wochenstunden in 4 Halbjahren,

-

im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld insgesamt mindestens 16 Wochenstunden in 4 Halbjahren,

-

im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Aufgabenfeld insgesamt mindestens 22 Wochenstunden in 4 Halbjahren,

-

in Religionslehre gemäß Ziffer 4.1,

-

im Sport mindestens 8 Wochenstunden in 4 Halbjahren.

Die Substitution gemäß Ziffer 7.4.3 bleibt unberührt.

7.4.2

Dabei wird für die Qualifikationsphase festgesetzt:

In den 4 Halbjahren sind im sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeld 4 Halbjahreskurse (d.h. Grund- oder Leistungskurse) in Deutsch, 4 in der gewählten Fremdsprache sowie 2 literarische bzw. künstlerische Halbjahreskurse zu belegen. [7]

Im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Aufgabenfeld sind 4 Halbjahreskurse in Mathematik und 4 Halbjahreskurse in den Naturwissenschaften zu belegen, wobei es sich entweder um eine Naturwissenschaft oder um je 2 Halbjahreskurse aus 2 in der Einführungsphase unterrichteten Naturwissenschaften handeln kann.

Im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld ist Geschichte oder ein anderes gesellschaftswissenschaftliches Fach, in dem Geschichte mit festen Anteilen unterrichtet wird, zu belegen. Sofern ein gesellschaftswissenschaftliches Fach gewählt wird, in dem Geschichte nicht mit festen Anteilen unterrichtet wird, sind mindestens 2 Halbjahreskurse Geschichte zu belegen.

In den durchgehend zu belegenden Fächern Deutsch, Fremdsprache, Mathematik, sind jeweils alle 4 Kurse in die Gesamtqualifikation einzubringen. Im Übrigen richtet sich die Einbringungsverpflichtung nach Ziffer 9.3.5.

7.4.3

Sofern die in den Fächern Deutsch, Fremdsprache, Mathematik zu vermittelnden grundlegenden Kompetenzen in Grundkursen anderer Fächer curricular abgesichert und systematisch ausgewiesen sind, können bis zu 4 solcher Kurse auf die Beleg- und Einbringungsverpflichtungen in den Fächern Deutsch, Fremdsprache, Mathematik angerechnet werden, in einem Fach jedoch nicht mehr als 2 Kurse (Substitutionsregelung) [8] . Diese Kurse werden in dem jeweiligen Fach belegt und eingebracht. Dadurch entfällt die Verpflichtung zur Belegung und Einbringung in dem Fach, dessen grundlegende Kompetenzen vermittelt werden. Die Gesamtzahl der im Pflichtbereich zu belegenden und in die Gesamtqualifikation einzubringenden Kurse bleibt erhalten. Kurse in den schriftlichen Prüfungsfächern können nicht, Kurse in den mündlichen Prüfungsfächern können insgesamt im Umfang von bis zu 2 Kursen substituiert werden, soweit die inhaltlichen Anforderungen der Einheitlichen Prüfungsanforderungen (EPA) erfüllt werden.

Systematisch ausgewiesen und curricular abgesichert sind die Kompetenzen in den anderen Fächern dann, wenn die in der Ziffer 2.7 genannten Ziele sie durchgehend bestimmen und in ihnen fachlich umgesetzt sind.

Das inhaltliche Konzept der entsprechenden Kurse wird durch einen Lehrplan vorgegeben oder von der zuständigen Aufsichtsbehörde genehmigt.

7.4.4

Die Schülerinnen und Schüler müssen 2 Leistungskursfächer wählen (vgl. Ziffern 3.3, 8.3 und 9.3). Davon ist eines entweder Deutsch oder eine Fremdsprache oder Mathematik oder eine Naturwissenschaft gemäß Ziffer 6.1. Ist Deutsch erstes Leistungskursfach, muss sich unter den 4 Fächern der Abiturprüfung Mathematik oder eine Fremdsprachebefinden.

Als zweites Leistungskursfach kann ein anderes Fach aus der Gruppe der in den Ziffern 6.1 und 6.2 genannten Fächer gewählt werden. Auch Sport (vgl. Ziffer 6.3) kann mit Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde in den Kreis der Leistungskursfächer einbezogen werden.

7.4.5

In der Regel werden Leistungskurse gesondert neben den Grundkursen angeboten (vgl. Ziffer 3.3). Im Ausnahmefall können sie mit Hilfe von Zusatzkursen zu Grundkursen gebildet werden.

7.4.6

Ein neu einsetzendes Fach kann nicht erstes Leistungskursfach im Sinne von Ziffer 7.4.4 Abs. 1 sein. Neu einsetzende Fremdsprachen und berufliche Fächer können demnach nur zweites Leistungskursfach im Sinne von Ziffer 7.4.4 Abs. 2 sein.

7.4.7

Neu einsetzende Fächer können nur unter folgenden Bedingungen als Leistungskursfächer eingeführt werden:

-

Die in Ziffer 8.2.2 genannten Auflagen für Lehrpläne und Abiturprüfung müssen erfüllt sein.

-

Die Fachlehrerin oder der Fachlehrer muss in der Regel in dem jeweiligen Fach ihre oder seine Lehramtsprüfung abgelegt haben oder über eine entsprechende Lehrbefähigung verfügen. Über Ausnahmen entscheidet die Schulaufsichtsbehörde.

7.4.8

Eine Konzentration bestimmter Bereiche oder Fächer auf bestimmte Zeitabschnitte der Oberstufe kann sinnvoll sein. Die nach obigen Angaben zu errechnende jeweilige Gesamtstundenzahl für jede Schülerin oder jeden Schüler soll jedoch nach Möglichkeit gleichmäßig auf die Schulhalbjahre verteilt werden.

7.4.9

Es steht einem Land frei, auch mehr als 2 Leistungskursfächer vorzuschreiben (vgl. Ziffer 3.3) und erforderlichenfalls dafür sowie für Kurse und Kurskombinationen zusätzliche Bindungen festzulegen.

7.4.10

Nach dem Hamburger Abkommen ist die gegenseitige Anerkennung der allgemeinen Hochschulreife bei Schülerinnen und Schülern, die in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 keinen Unterricht in einer zweiten Fremdsprache erhalten haben, daran gebunden, dass sie, beginnend mit der Einführungsphase in der gymnasialen Oberstufe, in einer zweiten Fremdsprache unterrichtet werden.

Im Einzelnen wird dazu festgelegt:

7.4.10.1

Schülerinnen und Schüler, die in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 keinen Unterricht in einer zweiten Fremdsprache erhalten haben, führen die erste Fremdsprache bis mindestens einschließlich der Einführungsphase fort. Arbeitsgemeinschaften gelten nicht als Unterricht im Sinne dieser Regelung.

7.4.10.2

Die Auflagen der Ziffer 7.4.10 werden von diesen Schülerinnen und Schülern erfüllt, wenn sie durchgehenden Unterricht in einer zweiten Fremdsprache bis zum Ende der Qualifikationsphase mindestens in Grundkursen belegt und besucht und dabei keinen Kurs in der Qualifikationsphase mit 0 Punkten abgeschlossen haben. In dieser zweiten Fremdsprache muss einer der letzten beiden Kurse der Qualifikationsphase in die Gesamtqualifikation eingebracht werden.

Soll in dieser zweiten Fremdsprache die Verpflichtung nach Ziffer 7.4.2 erfüllt werden, so sind die Kursergebnisse aus den 4 Halbjahren der Qualifikationsphase in die Berechnung der Gesamtqualifikation gemäß Ziffer 9.3.5 einzubringen.

7.4.10.3

Schülerinnen und Schüler, die nur in den Jahrgangsstufen 9 und 10 Unterricht in einer zweiten Fremdsprache erhalten haben, führen diese Fremdsprache bis mindestens einschließlich der Einführungsphase fort. Arbeitsgemeinschaften gelten nicht als Unterricht im Sinne dieser Regelung.

7.4.11

Die Verpflichtung nach Ziffer 7.4.2, 4 Halbjahreskurse in der gewählten Fremdsprache zu belegen und diese nach Ziffer 9.3.5 in die Gesamtqualifikation einzubringen, kann auch in einer dritten oder weiteren, mit Beginn der Einführungsphase neu begonnenen Fremdsprache erfüllt werden. Die Fremdsprache kann als Leistungskursfach oder Grundkursfach belegt werden. Für das Leistungskursfach gelten die Bestimmungen gemäß Ziffer 7.4.6. Für das Grundkursfach gilt: Der Unterricht wird durchgehend erteilt und zwar mit einem Volumen von 12 Jahreswochenstunden in den 3 Jahren der Einführungs- und Qualifikationsphase. In der Qualifikationsphase darf kein Kurs mit 0 Punkten abgeschlossen werden. Die erste oder zweite Fremdsprache muss bis einschließlich der Einführungsphase fortgeführt werden. Arbeitsgemeinschaften gelten nicht als Unterricht im Sinne dieser Regelung. [9]

7.4.12

Fachübergreifende und fächerverbindende Inhalte und Lernformen sind Bestandteile des Unterrichts in der gymnasialen Oberstufe. Länder können die Belegung entsprechender Angebote verbindlich festlegen. Die Zuordnung fachübergreifender und fächerverbindender Kurse zu Fächern erfolgt auf der Grundlage der jeweiligen Lehrpläne. Lernleistungen, die im Rahmen derartiger Kursangebote erbracht werden, sind je nach qualitativem und quantitativem Anteil der Fächer und der Art ihrer Koppelung entweder nach Fächern getrennt oder mit einer Gesamtnote, die für jedes der beteiligten Fächer oder für eines der beteiligten Fächer gilt, auf die Beleg- und Einbringungsverpflichtungen anzurechnen. Ein fachübergreifender oder fächerverbindender Kurs kann nur dann auf die beteiligten Fächer angerechnet werden, wenn er deren Fach- und Stundenanteilen in der Regel entspricht.

8.

Abiturprüfung

8.1.1

Den Abschluss der Oberstufe bildet die Abiturprüfung. Die Zuerkennung der allgemeinen Hochschulreife setzt die Teilnahme an der Abiturprüfung voraus.

8.1.2

Die Abiturprüfung findet am Ende der Qualifikationsphase statt.

8.2.1

Die Abiturprüfung umfasst mindestens 4, höchstens 5 Komponenten. Verpflichtend sind mindestens 3 schriftliche und mindestens 1 mündliche Prüfung. Fünfte Komponente ist entweder eine schriftliche oder eine mündliche Prüfung in einem weiteren Fach oder eine besondere Lernleistung gemäß Ziffer 9.3.10. Dabei müssen die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse in den Aufgabenfeldern des Pflichtbereichs (vgl. Ziffer 4), vertiefte und erweiterte Kenntnisse in den Leistungskursfächern nachweisen.

8.2.2

Ein Fach kann nur dann als Prüfungsfach angeboten werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

8.2.2.1

Für das Fach müssen "Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung" (EPA) vorliegen.

8.2.2 2

Es müssen ein durch die Schulaufsichtsbehörde genehmigter und veröffentlichter Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe und von der Schulaufsichtsbehörde veröffentlichte Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung vorliegen. Die Anforderungen der Lehrpläne und der Prüfungsordnung müssen den EPA einschließlich deren inhaltlichen Vorgaben entsprechen.

8.2.2.3

Ein Land kann beantragen, dass ein Fach, das bisher noch nicht Prüfungsfach ist und für das keine EPA vorliegen, als Prüfungsfach angeboten werden kann. Über den Antrag, der die Unterlagen gemäß Ziffer 8.2.2.2 Satz 1 enthalten muss, entscheidet der Schulausschuss. Er beschließt, ob und gegebenenfalls in welcher Frist EPA für dieses Fach zu erarbeiten sind.

8.2.3

Mit den Prüfungsfächern im Abitur müssen die 3 Aufgabenfelder gemäß Ziffern 4.2 bis 4.4 abgedeckt sein. Wird eine besondere Lernleistung in die Abiturprüfung eingebracht, kann sie nach Maßgabe landesspezifischer Regelungen eines der drei Aufgabenfelder abdecken. Durch die Möglichkeit, Religionslehre als Prüfungsfach zu wählen, darf dieser Grundsatz nicht beeinträchtigt werden.[10] Im sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeld muss eines der Fächer Deutsch oder Fremdsprache Abiturprüfungsfach sein.

8.2.4

Sofern von den 3 Fächern Deutsch, Fremdsprache oder Mathematik nur die Fremdsprache Abiturprüfungsfach ist, muss es sich bei der Fremdsprache bei den allgemein bildenden Schulen um eine fortgeführte Fremdsprache handeln. Bei den Fachgymnasien/berufsbezogenen Bildungsgängen kann es sich auch um eine mit mindestens 12 Jahreswochenstunden in den 3 Jahren der Einführungs- und Qualifikationsphase unterrichtete neu begonnene Fremdsprache handeln.

8.2.5

Schülerinnen und Schüler, die mehr als 2 Leistungskursfächer (vgl. Ziffer 7.4.9) gewählt haben, entscheiden vor Beginn der Abiturprüfung, welche beiden Leistungskursfächer als Leistungskursfächer in der Abiturprüfung gewertet werden sollen; die Kurse des nicht gewählten Leistungskursfaches gelten in der Abiturprüfung als Grundkurse.

8.3

Pflichtfächer der schriftlichen Abiturprüfung sind:

8.3.1 2

Leistungskursfächer

8.3.2

ein von der Schülerin oder dem Schüler wählbares Fach aus einem Aufgabenfeld des Pflichtbereichs (vgl. Ziffern 4.2 bis 4.4) oder das Fach Religionslehre.

In den schriftlich geprüften Fächern können auch mündliche Prüfungen angesetzt werden.

8.4

Prüfungsfach der mündlichen Abiturprüfung ist nach Wahl der Schülerin oder des Schülers ein wissenschaftliches oder künstlerisches Fach, das nicht schon schriftlich geprüft wurde. An Stelle der mündlichen Abiturprüfung kann Sport Prüfungsfach sein; für diesen Fall können 3 oder 4 Kurse in Sport in die Gesamtqualifikation eingebracht werden. Wird jedoch durch die Prüfung nach Ziffer8.3 eines der Aufgabenfelder gemäß Ziffern 4.2 bis 4.4 nicht erfasst, so muss das Fach der mündlichen Prüfung diesem Aufgabenfeld zugehören.

8.5

Sind Bildende Kunst oder Musik Prüfungsfach gemäß Ziffer 8.3, so kann an die Stelle der schriftlichen Prüfung eine besondere Fachprüfung treten, die auch einen schriftlichen Teil umfasst.

8.6

Ist Sport Prüfungsfach gemäß Ziffer 8.3.1, so tritt an die Stelle der schriftlichen Prüfung eine besondere Fachprüfung, die auch einen schriftlichen Teil umfasst.

8.7

Zur Prüfung kann zugelassen werden, wer in der Qualifikationsphase in den Prüfungsfächern mindestens je 4 Halbjahresfachkurse belegt hat. Außerdem ist der Besuch von Grundkursen in dem gemäß Ziffern 7.4.1 und 7.4.2, gegebenenfalls auch 7.4.10.2 und 7.4.11 festgelegten Umfang nachzuweisen. Die Substitutionsregelung gemäß Ziffer 7.4.3 bleibt unberührt.

9.

Leistungsbewertung und Entscheidung über den erfolgreichen Besuch der gymnasialen Oberstufe

9.1

Die im Verlauf der gymnasialen Oberstufe erbrachten Leistungen werden mit den herkömmlichen Noten (1 bis 6) bewertet. Die Umsetzung der in der Qualifikationsphase festgestellten Leistungsnoten in eine Gesamtqualifikation erfolgt mittels eines Punktsystems.

9.2

Für die Umrechnung der 6-Noten-Skala in das Punktsystem gilt folgender Schlüssel:

Note 1 entspricht 15/14/13 Punkten je nach Notentendenz;

Note 2 entspricht 12/11/10 Punkten je nach Notentendenz;

Note 3 entspricht 9/8/7 Punkten je nach Notentendenz;

Note 4 entspricht 6/5/4 Punkten je nach Notentendenz;

Note 5 entspricht 3/2/1 Punkten je nach Notentendenz;

Note 6 entspricht 0 Punkten.

9.3

Feststellung der Gesamtqualifikation

9.3.1

Aus den in den geforderten Grund- und Leistungskursen nachgewiesenen Halbjahresleistungen und aus den in der Abiturprüfung gezeigten Leistungen wird eine Gesamtpunktzahl ermittelt.

9.3.2

Es gilt folgende Berechnungsgrundlage:

 

maximal erreichbare Punktzahl

Halbjähriger Grundkurs

15

Halbjähriger Leistungskurs

30

Facharbeit aus einem Leistungskurs

(vgl. Ziffer 9.3.4)

30

Besondere Lernleistung

(vgl. Ziffern 9.3.10 und 9.3.11)

60

9.3.3

Jeder Schülerin oder jedem Schüler werden die Leistungen in 22 Grundkursen für die Gesamtqualifikation angerechnet. Die Leistungen in 2 weiteren Grundkursen (Halbjahresleistungen aus dem Abschlusshalbjahr der Qualifikationsphase im 3. und 4. Abiturprüfungsfach) werden im Rahmen der Abiturprüfung angerechnet. Von den 22 Grundkursen, die in die Gesamtqualifikation eingebracht werden, können bis zu 5 Grundkurse einem Fach angehören. Aus dem Sportunterricht können jedoch höchstens 3 Grundkurse angerechnet werden. Mit 0 Punkten abgeschlossene Halbjahreskurse zählen dabei nicht (vgl. Ziffer 9.3.4).

9.3.4

Für die Gesamtqualifikation werden ferner die Leistungen in 6 der verpflichtenden 8 Leistungskurse der Prüfungsfächer gemäß Ziffer 8.3.1 angerechnet. Die Leistungen in den 2 Leistungskursen dieser Fächer im Abschlusshalbjahr der Qualifikationsphase werden im Rahmen der Abiturprüfung angerechnet. Außerdem werden für die Gesamtqualifikation die in einer Facharbeit aus einem Leistungskursfach erzielten Punkte angerechnet. Mit 0 Punkten abgeschlossene Leistungskurse zählen dabei nicht.

9.3.5

Die unter Ziffern 7.4.2, gegebenenfalls auch 7.4.10.2 und 7.4.11 vorgeschriebenen Kurse sowie 4 Halbjahreskurse im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld müssen mit in die Berechnung nach Ziffer 9.3.3 eingebracht werden, soweit sie nicht als Leistungskurse zählen. Die Substitutionsregelung gemäß Ziffer 7.4.3 bleibt unberührt.

Die Verpflichtung nach Ziffer 7.4.2, 2 literarische bzw. künstlerische Halbjahreskurse zu belegen und in die Gesamtqualifikation einzubringen, kann auch durch 2 Halbjahreskurse im Fach Darstellendes Spiel erfüllt werden.

9.3.6

Im gleichen Fach sollen Leistungs- und Grundkurse nicht belegt werden. Zusätzlich zu den Leistungskursen im gleichen Fach belegte Grundkurse können nicht in die Gesamtqualifikation eingebracht werden, es sei denn, dass es sich um besondere, auf die Leistungskurse unmittelbar bezogene ergänzende Kurse handelt. In diesem Fall dürfen nicht mehr als insgesamt 2 solcher ergänzenden Kurse in die Gesamtqualifikation eingebracht werden.

9.3.7

Themengleiche Kurse können zweimal belegt werden. In die Gesamtqualifikation kann jedoch nur die bei der Wiederholung erreichte Kursabschlussnote eingebracht werden.

9.3.8

In der Abiturprüfung sind insgesamt maximal 300 Punkte erreichbar. Dabei werden die Leistungen in den Prüfungsfächern im Abschlusshalbjahr jeweils einfach gewichtet. Die in der Abiturprüfung erbrachten Leistungen werden bei 4 Prüfungsfächern jeweils vierfach, bei 5 Prüfungskomponenten jeweils dreifach gewichtet. Wird eine besondere Lernleistung eingebracht, so werden die in den 4 Abiturprüfungsfächern erbrachten Leistungen dreifach, die besondere Lernleistung vierfach gewichtet.

9.3.9

Wird in einem Land allgemein die Facharbeit aus einem Leistungskurs nicht in die Berechnungsgrundlage gemäß Ziffer 9.3.2 aufgenommen, werden als Ersatz für die entfallenden Punkte der Facharbeit die Kursabschlussergebnisse, die in den beiden Leistungskursfächern entweder im letzten oder im vorletzten Kurshalbjahr oder die in einem dritten Leistungskursfach in den letzten beiden Kurshalbjahren [11] erzielt worden sind, mit jeweils einfacher Wertung in die Gesamtqualifikation eingebracht. Einem Land, das diese Ausgleichsregelung einführt, steht es frei, daneben auch die Facharbeit als Alternative anzubieten.

9.3.10

Im Rahmen der für die Abiturprüfung vorgesehenen Gesamtpunktzahl können die Länder vorsehen, dass Schülerinnen und Schüler wahlweise eine besondere Lernleistung, die im Rahmen bzw. Umfang eines mindestens zweisemestrigen Kurses erbracht wird, in die Abiturprüfung einbringen können. Besondere Lernleistungen können z.B. sein: ein umfassender Beitrag aus einem von den Ländern geförderten Wettbewerb, eine Jahres- oder Seminararbeit, die Ergebnisse eines umfassenden, auch fachübergreifenden Projektes oder Praktikums in Bereichen, die schulischen Referenzfächern zugeordnet werden können. Die besondere Lernleistung ist schriftlich zu dokumentieren. Voraussetzung für die Einbringung ist, dass die besondere Lernleistung oder wesentliche Bestandteile noch nicht anderweitig im Rahmen der Schule angerechnet wurden. In einem Kolloquium stellt die Schülerin oder der Schüler die Ergebnisse der besonderen Lernleistung dar, erläutert sie und antwortet auf Fragen. Bei Arbeiten, an denen mehrere Schülerinnen und Schüler beteiligt waren, ist die Bewertung der individuellen Schülerleistung erforderlich. In der Abiturprüfung sind in diesem Fall in den 4 obligatorischen Prüfungsfächern (vgl. Ziffern 8.2.1 bis 8.4) maximal jeweils 60 Punkte erreichbar. Dabei sind die Leistungen in diesen Fächern im letzten Schulhalbjahr jeweils einfach, die in der Abiturprüfung erbrachten Leistungen jeweils dreifach zu werten. In der besonderen Lernleistung sind maximal 15 Punkte in vierfacher Wertung erreichbar.

9.3.11

Die Gesamtqualifikation besteht somit aus den Ergebnissen von

-

22 Grundkursen, die einfach gewertet werden;

-

6 Leistungskursen, die doppelt gewertet werden, sowie den Ergebnissen der Facharbeit in einem Leistungskurs bzw. der Ausgleichsregelung;

-

den in der Abiturprüfung erbrachten Leistungen gemäß Ziffer 9.3.8.

Es sind insgesamt höchstens 840 Punkte erreichbar, in Grundkursen höchstens 330 Punkte, in Leistungskursen höchstens 210 Punkte (einschließlich Facharbeitbzw. Ausgleichsregelung) und in der Abiturprüfung höchstens 300 Punkte (einschließlich der Kurse des Abschlusshalbjahres in diesen Fächern und ggf. der besonderen Lernleistung).

9.3.12

Die allgemeine Hochschulreife wird nach der Abiturprüfung zuerkannt, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

-

Von den 22 Grundkursen müssen mindestens 16 mit jeweils mindestens 5 Punkten abgeschlossen werden. Insgesamt müssen mindestens 110 Punkte erreicht werden.

-

Von den 6 Leistungskursen müssen mindestens 4 mit jeweils mindestens 5 Punkten der einfachen Wertung abgeschlossen werden. Insgesamt müssen mindestens 70 Punkte erreicht werden.

-

Von insgesamt 300 Punkten in der Abiturprüfung müssen mindestens 100 Punkte erreicht werden. In zwei Prüfungsfächern, darunter einem Leistungskursfach, müssen wenigstens jeweils 5 Punkte (entsprechend Note 4) der einfachen Wertung erreicht werden.

-

Von insgesamt 840 Punkten müssen mindestens 280 Punkte erreicht werden.

9.4

Bei Zeugnissen der allgemeinen Hochschulreife, die nur in einzelnen Ländern gelten, muss es aus dem Zeugnis ersichtlich sein, wenn eine zweite Fremdsprache nicht erteilt worden ist.

10.

Zusätzliche Auflagen für Fachgymnasien/berufsbezogene Bildungsgänge

10.1

Zeugnisse der allgemeinen Hochschulreife, die an Fachgymnasien/berufsbezogenen Bildungsgängen erworben worden sind, werden gegenseitig anerkannt, wenn die vorstehenden Bedingungen dieser Vereinbarung und der weiteren Vereinbarungen zur gymnasialen Oberstufe erfüllt sind und es sich um Schulen mit den aus der Anlage 1 (Normalkatalog) ersichtlichen Fachrichtungen und Schwerpunkten handelt. Die Fachrichtungen und Schwerpunkte entsprechen weitgehend einzelnen Berufsfeldern. Die fachrichtungsbezogenen zweiten Leistungskursfächer stellen charakteristische Fächer der jeweiligen Bildungsgänge dar und lassen sich bestimmten Wissenschaftsdisziplinen zuordnen.[12]

10.2

Weitere Fachrichtungen und Schwerpunkte, die nur in einzelnen Ländern und in geringem Umfang bestehen, sind in der Anlage 2 (Sonderliste) aufgeführt. Die an diesen Fachgymnasien/berufsbezogenen Bildungsgängen erworbenen Zeugnisse der allgemeinen Hochschulreife werden ebenfalls gegenseitig anerkannt.

10.3

Die Einbeziehung weiterer berufsbezogener Fachrichtungen, Schwerpunkte und Prüfungsfächer ist nach folgendem Verfahren möglich:

Der Antrag eines Landes mit den erforderlichen Unterlagen wird durch das zuständige Gremium geprüft. Anschließend wird - gegebenenfalls im Schriftverfahren - ein Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Erweiterung der Anlagen herbeigeführt.

Die erforderlichen Unterlagen enthalten im Fall von Anträgen, die die Anlage 1 betreffen:

-

den Nachweis, dass die neu aufzunehmenden Fachrichtungen/Schwerpunkte/Prüfungsfächer der charakteristischen Ausprägung des jeweiligen Bildungsganges zuzuordnen sind, einen hinreichenden Beitrag zur Vermittlung der allgemeinen Hochschulreife leisten, einem der drei Aufgabenfelder der gymnasialen Oberstufe zugeordnet werden können und sich in die Fachstruktur der beruflichen Schulen (Berufsfelder) einfügen lassen;

-

die Darlegung der für den Unterricht dieser Fachrichtungen/Schwerpunkte/Prüfungsfächer geforderten fachlichen Kompetenzen und Befähigungen bei den Lehrkräften.

Die erforderlichen Unterlagen enthalten im Fall von Anträgen, die die Anlage 2 betreffen, die Darlegung, dass die neu aufzunehmenden Bildungsgänge mit ihren Fachrichtungen/Schwerpunkten/Prüfungsfächern regionalen Schwerpunktbildungen entsprechen oder der Erprobung dienen.

11.

Zusätzliche Auflagen für doppeltqualifizierende Bildungsgänge, die zur allgemeinen Hochschulreife und zu einem beruflichen Abschluss nach Landesrecht führen

11.1

Die gegenseitige Anerkennung der an doppeltqualifizierenden Bildungsgängen erworbenen Zeugnisse der allgemeinen Hochschulreife ist an folgende Bedingungen geknüpft:

-

Die vorstehenden Bedingungen dieser Vereinbarung und der anderen Vereinbarungen zur gymnasialen Oberstufe, einschließlich der dort getroffenen zeitlichen Festlegungen, müssen erfüllt sein, insbesondere alle Beleg- und Einbringungsverpflichtungen.

-

Die einheitlichen doppeltqualifizierenden Bildungsgänge umfassen ein Gesamtstundenvolumen von mindestens 118 Wochenstunden für die gymnasiale Oberstufe. Sie dauern 3 bis 4 Jahre. Sie schließen mit zwei getrennten Prüfungen ab:

1.

der Abiturprüfung auf der Grundlage der Vereinbarung über die Abiturprüfung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II und den entsprechenden Bestimmungen nach Landesrecht und

2.

der beruflichen Abschlussprüfung, die aus einem praktischen Teil in entsprechender Anwendung der für den jeweiligen beruflichen Abschluss geltenden Schul- und Prüfungsordnung der Länder auf der Grundlage der jeweils geltenden Rahmenvereinbarung über die Ausbildung und Prüfung zum Assistenten/zur Assistentin an Berufsfachschulen oder zum staatlich anerkannten Erzieher/zur staatlich anerkannten Erzieherin und einer schriftlichen Prüfung in einem berufsbezogenen Fach entsprechend der jeweiligen Richtung besteht.

-

Der Zugang zu diesen Bildungsgängen setzt die Berechtigung zum Eintritt in die gymnasiale Oberstufe voraus.

Für die doppeltqualifizierenden Bildungsgänge kommen die aus der Anlage 3 (Normalkatalog) und Anlage 4 (Sonderliste) ersichtlichen Berufe in Betracht.

11.2

Weitere doppeltqualifizierende Bildungsgänge, die nur in einzelnen Ländern an einer begrenzten Zahl von Einrichtungen bestehen, sind in der Anlage 4 (Sonderliste) aufgeführt. Die an diesen Bildungsgängen erworbenen Zeugnisse der allgemeinen Hochschulreife werden ebenfalls gegenseitig anerkannt.

11.3

Die Einbeziehung zusätzlicher doppeltqualifizierender Bildungsgänge ist nach dem in der Ziffer 10.3 beschriebenen Verfahren möglich. Darüber hinaus enthalten die einzureichenden Unterlagen für diese Bildungsgänge

-

im Fall von Anträgen, die die Anlage 3 betreffen, die Darlegung der Affinität zwischen dem beruflichen Abschluss und der beruflich orientierten gymnasialen Oberstufe. Bei Bildungsgängen, die zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife zusammen mit einem Assistentenberuf führen, wird in der Regel vorausgesetzt, dass für diesen Assistentenberuf eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz besteht.

-

im Fall von Anträgen, die die Anlage 4 betreffen, den Nachweis, dass die neu aufzunehmenden Bildungsgänge mit ihren beruflichen Abschlüssen regionalen Schwerpunktbildungen entsprechen oder der Erprobung dienen.

12.

Entwicklungsklausel

Zur Erprobung besonderer inhaltlicher und methodischer Unterrichtsvorhaben können Länder einzelnen Schulen zeitlich befristete Abweichungen von in der Vereinbarung enthaltenen Regelungen gestatten. Über solche Modelle ist der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz unter Angabe des Erprobungszeitraums und der beteiligten Schulen zu unterrichten.

13.

Schlussbestimmungen

13.1

Zeugnisse der allgemeinen Hochschulreife, die der vorstehenden Vereinbarung entsprechen, werden gegenseitig anerkannt. Dies gilt auch für Zeugnisse der allgemeinen Hochschulreife, die an Kollegschulen erworben werden.

13.2

Die vorgenannten Bestimmungen treten für Schulen mit gymnasialer Oberstufe an die Stelle früher getroffener Vereinbarungen, soweit diese ihnen entgegenstehen.

13.3

Die Möglichkeit, über den Besuch der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II die Fachhochschulreife zu erwerben, wird durch besondere Vereinbarung der Kultusministerkonferenz geregelt.

[2]

Beschluss der KMK vom 25. Februar 1994, Beschluss der KMK vom 02. Dezember 1994.

[3]

Weiterentwicklung der Prinzipien der gymnasialen Oberstufe und des Abiturs Abschlussbericht der von der Kultusministerkonferenz eingesetzten Expertenkommission, hrsg. vom Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, Kiel 1995.

[4]

Beschluss der KMK vom 1. Dezember 1995, Beschluss der KMK vom 25. Oktober 1996.

[6]

An Fachgymnasien/berufsbezogenen Bildungsgängen sind im sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeld mindestens 24 Wochenstunden zu belegen. (Amtliche Anmerkung)

[7]

An die Stelle der 2 literarischen bzw. künstlerischen Halbjahreskurse können an Fachgymnasien/berufsbezogenen Bildungsgängen 2 Kurse treten, die nicht dem sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeld angehören. (Amtliche Anmerkung)

[8]

Die Länder können unter den o.g. Voraussetzungen bis zu 4 Kurse in einem Fach substituieren. Dies ist der KMK analog zu Schulversuchen anzuzeigen. Nach 5 Jahren sollen die Erfahrungen mit dem Ziel derendgültigen Festlegung ausgewertet werden. (Amtliche Anmerkung)

[9]

In Bayern werden nur Zeugnisse von Bewerberinnen und Bewerbern anerkannt, die mit der letzten Zeugnisnote in einer der bisherigen Fremdsprachen mindestens befriedigende Leistungen nachweisen. (Amtliche Anmerkung)

[10]

Die Möglichkeit, Religionslehre als Prüfungsfach dem gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld zuzuordnen, bleibt den Ländern überlassen. (Amtliche Anmerkung)

[11]

Für das Saarland und für die beruflichen Gymnasien in Rheinland-Pfalz gilt die Formulierung: "in zwei Halbjahren“.(Amtliche Anmerkung)

[12]

Die Einbeziehung einzelner berufsbezogener Fächer in den Fächerkanon allgemein bildender gymnasialer Oberstufen ist weiterhin möglich. (Amtliche Anmerkung)

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